Moderne Versorgung im ländlichen Raum: Apotheker nimmt es selbst in die Hand
Die grünen Landtagsabgeordneten Kathrin Anders und Kaya Kinkel besuchten die erste hessische Telemedizinkabine in der Brückenapotheke in Heringen (Werra). Das in eine Apotheke integrierte Versorgungskonzept soll die medizinische Versorgung insbesondere im ländlichen Raum verbessern und den Herausforderungen des demografischen Wandels sowie dem zunehmenden Mangel an Ärztinnen und Ärzten begegnen.
Der Apotheker Stefan Göbel erläuterte die Motivation hinter dem Projekt: „Unser Ziel ist es, die medizinische Versorgung zu verbessern und für die Menschen verlässlich da zu sein – insbesondere im ländlichen Raum. Es geht um Gesundheit für alle.“
Die Telemedizinkabine ist Teil dieses Ansatzes und verbindet digitale Gesundheitsversorgung mit der persönlichen Betreuung vor Ort.

Die Kabine befindet sich in einer Apotheke und ermöglicht Patientinnen und Patienten, ärztliche Videosprechstunden in einem schallisolierten und geschützten Raum wahrzunehmen. Über eine sichere digitale Verbindung können sie mit einer Ärztin oder einem Arzt kommunizieren und medizinische Untersuchungen durchführen lassen. Hierfür stehen verschiedene diagnostische Geräte zur Verfügung. Das Angebot eignet sich insbesondere für Beratungen und Routineuntersuchungen und schafft einen niedrigschwelligen Zugang zu ärztlicher Versorgung. Besonders im ländlichen Raum, wo die haus- und fachärztliche Versorgung dünn, Wege weit und Termine rar sind, kann die Telemedizinkabine einen echten Gewinn für die Gesundheitsversorgung vor Ort darstellen.
Kathrin Anders, gesundheitspolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion, hob den Beitrag des Konzepts zur langfristigen Sicherung der Gesundheitsversorgung hervor: „Gerade bei akuten Beschwerden kann dieses Angebot eine schnelle und unkomplizierte medizinische Versorgung ermöglichen. Patientinnen und Patienten profitieren von kürzeren Wegen und wegfallenden Wartezeiten. Sie können ihre Beschwerden direkt vor Ort abklären lassen und erhalten – wenn medizinisch notwendig – ihre Medikamente unmittelbar in der Apotheke. Perspektivisch bietet das Konzept darüber hinaus großes Potenzial, auch die Versorgung chronisch kranker Menschen zu unterstützen und damit einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Sicherung der Gesundheitsversorgung zu leisten.“
Kaya Kinkel betonte die Bedeutung des Projekts für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg: „Eine gute medizinische Versorgung darf keine Frage des Wohnortes sein. Gerade bei uns im ländlichen Raum erleben wir schon heute, wie schwierig Praxisnachfolgen sind und wie weit die Wege zu bestimmten Fachärztinnen und Fachärzten sein können. Diese Herausforderung wird sich durch den demografischen Wandel in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Deshalb brauchen wir neben Ärztinnen und Ärzten vor Ort auch neue, ergänzende Angebote. Die Telemedizinkabine in Heringen ist ein gutes Beispiel und zeigt, wie wichtig innovative Ansätze für die Lebensqualität im ländlichen Raum sind.“
Mit der ersten hessischen Telemedizinkabine in Heringen wird ein zukunftsweisendes Modell erprobt, das digitale Technologien, interdisziplinäre Zusammenarbeit und wohnortnahe Versorgung miteinander verbindet. Das Projekt verdeutlicht, wie telemedizinische Innovationen dazu beitragen können, die Gesundheitsversorgung nachhaltig weiterzuentwickeln und insbesondere in ländlichen Regionen langfristig sicherzustellen.