Der hessische Rettungsdienst muss entlastet werden durch zuverlässige Versorgungsketten

Gemeinsam mit Mitgliedern der grünen Kreistagsfraktion hat die Landtagsabgeordnete Kathrin Anders den ASB Mittelhessen in der Rettungswache Karben besucht. Dort sprach sie mit Geschäftsführer Leif Niklas Wulf über die tägliche Arbeit im Rettungsdienst, über die Belastung der Einsatzkräfte und über notwendige Verbesserungen in der Gesundheitsversorgung.
v.l.n.r. Kathrin Anders und Isil Yönter, KreistagsmitgliedDer ASB Mittelhessen ist an mehreren Standorten tätig: in Stadt und Kreis Offenbach, im Wetteraukreis und im Main-Kinzig-Kreis. Mit 10 Rettungswagen, 3 Krankenwagen, einem Notarzteinsatzfahrzeug und 250 Mitarbeitenden fahren sie im Schnitt 20.500 Einsätze pro Jahr.
Bei dem Besuch wurde deutlich: Der Rettungsdienst ist ein essenzieller Bestandteil des deutschen Gesundheitssystems. Gleichzeitig müssen Rettungswagen und Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter häufig dann helfen, wenn andere Angebote im Gesundheitssystem nicht gut erreichbar sind. Dazu gehören etwa Arztpraxen, der ärztliche Bereitschaftsdienst oder Beratungsangebote für Menschen, die unsicher sind, ob sie in einer medizinischen Notlage sind.
„Der hessische Rettungsdienst leistet sehr gute Arbeit, aber er muss zu oft Lücken auffangen, die an anderen Stellen im Gesundheitssystem entstehen“, sagte Kathrin Anders. „Wenn Menschen nachts, am Wochenende oder in einer schwierigen Situation keine passende Anlaufstelle finden, rufen sie verständlicherweise den Notruf. Deshalb ist es wichtig, dass bei den anstehenden Reformen auf Bundes-, wie auch Landesebene, das gesamte Versorgungsnetz gemeinsam betrachtet wird.“

Leif Niklas Wulf ergänzt: „Unsere Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter werden hervorragend ausgebildet. Wir sollten diese Qualifikation aber auch konsequent nutzen und ihnen die entsprechenden Handlungsspielräume zutrauen. Wenn sich medizinische Vorgaben und Handlungsstandards von Kreis zu Kreis unterscheiden, brauchen wir aus meiner Sicht landesweit verlässliche medizinische Mindeststandards. Zudem könnte mit einheitlicher Digitalisierung und Vernetzung effizienter und zielgerichteter gearbeitet werden und Qualität gesichert werden.“
Ein weiterer Schwerpunkt sind die Leitstellen in Hessen. Dort gehen Notrufe ein, und von dort werden Rettungswagen, Notärztinnen und Notärzte oder andere Hilfen alarmiert. Derzeit haben wir in Hessen 25 zentrale Leitstellen, bei 26 Rettungsdienstbereichen. Damit hat Hessen beinah so viele Leitstellen wie ganz Spanien – dort gibt es 26. Gerade in Ballungszentren, wie den Rhein-Main-Gebieten, ist teilweise ein bereichsüberschreitender Einsatz notwendig. Grenzüberschreitende, einheitliche Mindeststandards bei größeren Rettungsdienstbereichen, würden die Arbeit für zahlreiche Notfallsanitäterinnen und -sanitäter erleichtern. So können Menschen in allen Regionen Hessens vergleichbar schnell und hochwertig Hilfe erhalten – unabhängig von ihrem Wohnort.
„Der Rettungsdienst ist ein unverzichtbarer Teil unserer Gesundheitsversorgung. Die Einsatzkräfte müssen sich auf echte Notfälle konzentrieren können. Dafür müssen wir nicht nur den Rettungsdienst selbst stärken, sondern die gesamte Rettungs- und Versorgungskette: von der ersten Beratung über den Bereitschaftsdienst bis zur Behandlung in Praxis oder Krankenhaus.“, fasst Kathrin Anders zusammnen.
v.l.n.r.: Leif Niklas Wulf, Geschäftsführer des ASB Mittelhessen, Kathrin Anders, Thomas Tilse, Vorstand GRÜNE Wetterau, Lindon Zena, Stadtverordneter Karben & Kreistagsmitglied